Hormontherapie

Hemmt man die Wirkung des Testosterons so wird das Wachstum der Krebszellen beeinträchtigt. Auf diese Art und Weise ist es möglich den Krebs über längere Zeit unter Kontrolle zu halten.
Im Prostatakrebs-Ratgeber findet sich eine gute Übersicht der Hormontherapie, die ich hier wiedergebe
“[Es existieren] im Wesentlichen [folgende] Möglichkeiten:

  • medikamentöse Kastration
  • Androgen-Blockade

Medikamentöse Kastration

So genannte LHRH-Analoga greifen in den entsprechenden Hormonregelkreis ein und stoppen so die Produktion von Testosteron in den Hoden.

Unabhängig davon, ob die Kastration operativ oder medikamentös erfolgt, führt ein erniedrigter Testosteronspiegel im gesamten Körper unangenehmen Be­gleiterscheinungen: Dieses sind zunächst Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Im­potenz, Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit und später ein Brüchigwerden der Knochen (Osteoporose), was zu einer Einschränkung der Lebensqualität führt. Bei einer zeitlichen Begrenzung der Hormonblockade ist eine anschließende Erholung des Testosteronspiegels möglich. Aus diesem Grund wird zurzeit in mehreren Studien das Konzept der „Intervalltherapie” getestet.

Eigenart der LHRH-Analoga zu Beginn der Behandlung ist es, zunächst einen Testosteronschub zu verursachen. Um die Wirkung des Testosterons zu blockieren, ist in den ersten Wochen die Kombination mit so genannten Antiandrogenen erforderlich (siehe Androgen-Blockade). Die Kombination von LHRH-Analogon und Antiandrogen nennt man maximale Androgenblockade (MAB).

Androgen-Blockade

Das in den Hoden oder den Nebennie­ren gebildete Testosteron gelangt über die Blutbahn zur Prostata, wo es seine Wirkung auf die Tumorzellen entfaltet. Vertreter dieser Medikamentgruppe sind zB Bicalutamid und Flutamid. Sie werden häufig kombiniert mit LHRH-Agonisten eingesetzt und verhindern die Wirkung des Resttestosterons (“komplette Androgenblockade”)

Sie werden nach ihrer chemischen Struk­tur in zwei Gruppen eingeteilt:

Steroidale Antiandrogene
Steroidale Antiandrogene ähneln im Aufbau den weiblichen Geschlechtshor­monen (Gestagenen). Ihre Einnahme verursacht daher deren typische Neben­wirkungen, wie Gewichtszunahme oder Gefäßverschlüsse (Thromboembolien). Da steroidale Antiandrogene auch den Testosteronspiegel senken, können — ähn­lich wie bei einer Kastration — Einschränkungen der Libido- und Erektionsfähigkeit auftreten. Vertreter dieser Wirkstoffgrup­pe ist Cyproteronacetat.

Nichtsteroidale Antiandrogene
Nichtsteroidale Antiandrogene haben den entscheidenden Vorteil, dass sie den Testosteronspiegel im Körper nicht absenken. Werden sie alleine angewandt, bleiben daher allgemeine Leistungsfähig­keit und Knochendichte erhalten, was die Lebensqualität positiv beeinflusst. Selbst die Potenz kann unter Antiandrogenen aufrechterhalten werden.
Eine typische Nebenwirkung ist die Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie). Dies kann eine vorsorgliche Bestrahlung der Brustwar­zen jedoch meist verhindern. Das am besten verträgliche Antiandrogen ist Bicalutamid. Es kann so hoch dosiert werden, dass es in frühen Stadien eine der Kastration vergleichbare Wirkung auf die Tumorzellen hat.

……

International werden unterschiedliche Therapieprotokolle heim fortgeschritte­nen (metastasierten) Karzinom diskutiert. Und zwar:

  • die einfache Hormonblockade (Antiandrogen oder LHRH-Analogon
  • die zweifache Hormonblockade (Antiandrogen und LHRH-.Analogon )
  • die dreifache Hormonblockade (Antiandrogen und LHRH-Analogon und 5-alpha-Reduktase-Hemmer) “

Begriffe:
Die neoadjuvante Hormontherapie wird vor einer Bestrahlung eingesetzt
Die adjuvante Hormontherapie während derselben.

Neuere Pharmakaentwicklungen:

-Abiraterone (zur Behandlung des hormonrefraktären/kastrationsresistenten Prostatakrebses)
-MDV3100 (soll Hormonresisitenz verhindern)
-Abarelix (sog.GNRH-Antagonist)
Abarelix wird i.m. injiziert und bewirkt über eine kompetitive Rezeptorenhemmung eine schnelle, jedoch umkehrbare Hemmung der Testosteronproduktion. Abarelix senkt schnell das luteinisierde Hormon (LH) sowie das follikelstimulierende Hormon (FSH) und als Resultat daraus das Testosteron. Weitere Informationen hier
Anders als bei den LHRH-Analoga kommt es unter Abarelix nicht zu einem erhöhten Testosteronspiegel (“flare-up”) , der u.U. eine Verschlechterung des Krankheitsbildes verursachen kann. Auf den Einsatz von Antiandrogenen zur Vermeidung einer Testosteronanflutung kann daher verzichtet werden.
In klinischen Studien zeigte sich, dass sowohl im Vergleich zu LHRH-Analoga als auch gegenüber einer maximalen Androgenblockade Testosteron und PSA schneller absinken. Interessant ist, dass nach Absetzen von Abarelix der Wirkstoff ausgeschieden wird und erneut Testosteron vom Körper hergestellt wird und die Nebenwirkungen des Testosteronentzugs verschwinden. Ebenso kann auch erneut mit dem Wirkstoff behandelt werden, falls erforderlich

Zur Kernfrage, ab wann die Hormontherapie beginnen sollte hier klicken.
Hier gibt es eine gute Übersicht über die verschiedenen Formen der antiandrogenen Hormontherapie des Prostatakrebses